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* Liebe Thi, lieber Stefan, ihr geht bereits einen langen Weg gemeinsam. Lange im Sinne auch von Kilometerweit. Kennengelernt habt ihr euch ja nicht in Österreich, erzählt doch mal eure Geschichte.

Kennengelernt haben Thi und ich uns 2010 in Polen, als ich meinen Auslandszivildienst in der Stadt Lublin ableistete, und sie dort als Englisch-Lehrerin ein Praktikum machte. Und gesehen haben wir uns das erste Mal im abendlichen Polnisch-Unterricht, als sie verspätet in das Klassenzimmer gekommen war und einen Platz im überfüllten Raum suchte. Ich gab meine Tasche von meiner Sitzbank runter und bin für sie gut sichtbar ein Stück gerutscht um ihr damit subtil zu signalisieren, sich neben mich zu sitzen. Was sie tat. Nach dem gemeinsamen Unterricht sind wir dann noch auf ein Getränk gegangen, und von da an fing alles an.

Nach ein paar mal Ausgehen sind wir auf einen Tagesausflug in ein verschlafenes Dörfchen gefahren, wo wir den Hügel zu den drei Kreuzen hochstiegen. Dort, als die ersten Schneeflocken den polnischen Winter ankündigten, in dessen eisiger Stille, am Fuß einer Burgruine, haben wir uns das erste Mal geküsst. Über mehrere Wochen hinweg genossen wir die Zeit miteinander, wärmten uns auf in This baufälligem Studentenwohnheim oder in der Bruchbude, die damals mein Wohnung in der Innenstadt war, während der Winter die restliche Stadt unter einer dicken Schneeschicht begraben hat, -30 Grad war einmal der Rekord. Es war aber genau diese Kälte draußen und unsere eigene Wärme, die so einen Kontrast geboten hatte. Am Schönsten war es einmal im jüdischen Restaurant am Hauptplaz, als wir die einzigen Gäste waren, bei einem Fensterplatz saßen, und auf den menschenleeren mittelalterlichen Hauptplatz hinaussahen, der unter Schnee begraben und von den Straßenlichtern orange eingefärbt war.

Unsere Geschichte hat viele Höhen und Tiefen, der Weg zur gemeinsamen Wohnung in Wien war ein weiter. Und über diese Jahre hinweg haben wir uns beide auch sehr verändert, viel miteinander, viele Einsichten gewohnen, viel erfahren. 7 Jahre kennen wir uns bald, beinahe ein Viertel unserer Leben. Und nun, 2017 beschloßen wir auch den nächsten Schritt zu setzen, und uns das Ja-Wort zu geben.

* Eure Nachnamen habt ihr beide behalten?
Wir heißen beide wie vorher. Da an den Namen doch ein gutes Stück kultureller Identität haftet, und keiner von uns darauf verzichten wollte. Daher hätte wir auch gerne einen Doppel-Namen gehabt, aber das geht nach vietnamesischem Recht nicht. Nun haben wir die Entscheidung mal vertagt, es gibt aber auch nach Jahren die Möglichkeit es nur nach österreichischem Recht zu machen. Aber das sehen wir noch.

* Thi, warum hast du dich in Stefan verliebt?
Wegen seinem Sinn für Humor und der Qualität der Gespräche mit ihm.

* Stefan, was schätzt du an Thi?
Ihr gutes Herz.

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