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Das Gymnasium Freistadt feierte am Wochenende den 150. Geburtstag (1867 – 2017). Ein Grund zum Feiern, und deshalb gibt es nun doch einen Beitrag, obwohl Veranstaltungen sonst hier eher weniger präsentiert werden. Aber weil uns Doris Neumüller weiter unten noch etwas über die Organisation eines solchen Festes und ihre Tafelbilder erzählt und ich gemeinsam mit Rupert Hörbst und Barbara Kempter ausstellen durfte, hier ein paar Eindrücke vom Wochenende. Es war sehr schön Schulkollegen und ehemalige Professoren wieder zu sehen, danke!

* Liebe Doris, wir haben uns lange nicht gesehen. 2004 hast du uns (7. Klasse, Gymnasium Freistadt) beim Wien-Ausflug begleitet, als du dein Praktikum am Gymnasium absolviert hast.

Stimmt. 2004 haben wir uns kennengelernt. Ich habe ja selber 1998 am Gymnasium Freistadt maturiert und bin nach meinem Lehramtsstudium in Wien wieder nach Freistadt an meine ehemalige Schule zurückgekehrt. Hier habe ich im Schuljahr 2003/04 mein Unterrichtspraktikum absolviert und bin seither an „meiner“ Schule als Lehrerin für Englisch und Spanisch tätig. Der mehrtägige Ausflug damals im Frühjahr 2004 nach Wien war meine erste Reise, die ich als Lehrerin begleiten durfte. Da hast du damals auch schon ein paar Bilder von mir und unserer damaligen Fremdsprachenassistentin Frances gemacht. Mit Frances bin ich im Übrigen noch immer eng befreundet und ihre Heimat Yorkshire im Norden Englands ist im Laufe der Jahre und nach zahlreichen Reisen dorthin zu einer meiner absoluten Lieblingslandschaften geworden.

* Wiedergesehen haben wir uns bei dem Foodblogger Workshop, den ich gemeinsam mit Simone Kemptner im Frühjahr abgehalten habe. Da sind wir das erste Mal ins Gespräch gekommen, ob ich es mir nicht vorstellen könnte, die 150-Jahr-Feier des Gymnasiums, die unter anderem du mitorganisiert hast, fotografisch zu begleiten. Wie geht man denn so etwas an?

Mitorganisiert trifft es genau. Neben unserem Hr. Direktor Franz Rührnößl, gab es zwei Hauptverantwortliche für die Jubiläumsfeierlichkeiten, Ulrike Mitterlehner und Ernst Aigner. Ohne die beiden hätte es ein Fest in diesem Ausmaß und dieser Vielfalt sicher nicht gegeben. Sie haben schon lange im Vorfeld Kontakte mit Absolventinnen und Absolventen unserer Schule geknüpft, sie haben die verschiedensten Projekte ins Auge gefasst und sie mit großem Tatendrang in Angriff genommen. Trotz knappem Budget, haben sie es mit Durchhaltevermögen und hohem Zeitaufwand geschafft, ihre und unsere Vorstellungen umzusetzen und den Festakt im Salzhof und die verschiedensten Aktivitäten im Rahmen der Offenen Schule am Freitag und Samstag würdig und hochwertig zu gestalten. Es war mir, sowie meinen Kolleginnen und Kollegen eine Freude, die beiden tatkräftig zu unterstützen. Ich denke, ich spreche nicht nur für mich, wenn ich sage, dass die Arbeit für das Schuljubiläum sehr bereichernd für uns Beteiligte war. Die vielen schönen Rückmeldungen haben uns auch spüren lassen, dass sich der Aufwand gelohnt hat.

* Was kannst du als Tipp geben, falls sich jemand einer ähnlichen Organisation stellen will?

Eigeninitiative, Mut und Freude am Tun und an der Sache. Zusammenarbeiten. Nicht der Meinung sein, alles alleine schaffen zu müssen. Delegieren lernen. Den Qualitätsanspruch nicht heruntersetzen, sich dafür vielleicht auf weniger konzentrieren. Mit am schönsten war zu sehen, wie sich immer mehr Kolleginnen, Kollegen, Schülerinnen, Schüler, Absolventinnen und Absolventen, Eltern usw. am Fest beteiligt haben. Es ist wahrhaftig ein Fest von uns für uns geworden.

* Erzähl uns bitte noch etwas über deine Tafelbilder.

Ich schreibe gerne an der Tafel und ich finde Tafelbilder in ihrer Unaufgeregtheit einfach unwiderstehlich schön. Das Analoge, Unmittelbare und auch Unspektakuläre dieses Mediums fasziniert mich und lässt mich Parallelen zu unserem täglichen Tun als Lehrerinnen und Lehrer erkennen.
Bei der Idee zur Ausstellung ging es mir aber in erster Linie darum – so wie es auch im Titel Portrait des Kollegiums in seiner Abwesenheit heißt – meine Kolleginnen und Kollegen zu portraitieren. Die Tafelbilder erschienen mir dafür als Sujet geeignet und wenig verbraucht. Tafelbilder können kleine Kunstwerke im Schulalltag sein, die verschiedensten Handschriften Identitätsmerkmale. Die über 100 Tafelbilder der Ausstellung gewähren dem Betrachter also nicht nur Einsichten in unseren Unterricht am Gymnasium Freistadt sondern sie portraitieren ihre Gestalter – meine Kolleginnen und Kollegen – auf subtile Weise mit: unverwechselbar in Handschrift, Duktus und Methodik, sind die einzelnen Lehrpersonen in den Bildern gegenwärtig.
Die Tafelbilder sind Momentaufnahmen des Unterrichtsgeschehens, die Flüchtigkeit suggerieren, weil sie naturgemäß dazu bestimmt sind, wieder gelöscht zu werden, manchmal schon nach wenigen Minuten, spätestens aber am Ende des Unterrichts. Die Fotografie vermag diese Vergänglichkeit zu bannen. Das war es wohl, was mich dazu veranlasst hat, mich näher mit ihnen zu beschäftigen.
Doch alleine hätte ich die ganze Arbeit nicht geschafft. Meine Kolleginnen Ulrike Mitterlehner und Gudrun Henter-Jenner haben mit mir fotografiert und Sonja Lengauer hat es verstanden, meine Gedanken und Ideen zu dieser Arbeit so schön im Vorwort auszuformulieren. Dafür möchte ich mich bei ihnen und bei meinen Kolleginnen und Kollegen, die bereit waren, bei den „Tafelbildern“ mitzumachen, bedanken.

Ich selbst habe übrigens 2005 am Gymnasium Freistadt maturiert und für die Geschichte Fachbereichsarbeit das Thema „Die Jahresberichte des Gymnasiums Freistadt als schul- und stadtgeschichtliche Quellen von 1867-1918“ gewählt. Klingt fad, war es ganz und gar nicht. Wer waren die Schüler und was haben sie gemacht, welche Spiele standen am Lehrplan des Turnunterrichtes, und was musste für den Deutschunterricht gelernt werden? Mehr hier > Fellner, Flora: Die Jahresberichte des Gymnasiums Freistadt als schul- und stadtgeschichtliche Quellen (1867-1918). In: Freistädter Geschichtsblätter 15, 2010, S. 5-71.

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